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Das Momentum – Ein Oszillator mit sehr vielen Schwachstellen Oszillatoren

Ein vor allem bei Einsteigern und Neulingen beliebter Oszillator ist das Momentum. Gründe für diese Tatsache sind überwiegend die einfache Berechnung, scheinbar einfache Interpretierbarkeit und die schier unendlichen Möglichkeiten mit dem Momentum zu arbeiten.

Leider bietet dieser Oszillator weitaus weniger Vorteile, als dies auf den ersten Blick ersichtlich ist. Doch der Reihe nach.

So wird das Momentum berechnet

Das Momentum der Börsenkurse beruht auf den Preisunterschieden einer bestimmten Zeitperiode. So wird das 21er Momentum mit dem aktuellen Kurs und dem Kurs vor 21 Perioden gebildet. Das einfache Momentum benutzt dabei nur das Verhältnis des Kursunterschieds.

Das heißt: Notiert eine Aktie vor 21 Tagen bei 15 € und heute bei 19 €, so zeigt der Momentum-Oszillator +1,26 an.

Als Formel ausgedrückt: [(aktueller Kurs)/(Kurs vor n-Perioden)]

Es besteht natürlich noch die Möglichkeit, diesen Kurs mit 100 zu multiplizieren um einen direkten Prozentwert zu erhalten.

So wird der Oszillator klassisch gedeutet

Einmal als Trendfolgender Oszillator:

Bei dieser Variante wird ein Durchbrechen der Null-Linie des Oszillators als bullisches bzw. bearishes Signal gedeutet. Den Nachteil dieser Variante kann man schnell erläutern. Es ist leider, hart gesagt, kompletter Unsinn so am Markt zu agieren. Da nur das Verhältnis zweier Kurse einer bestimmten Periode berücksichtigt wird kann das Signal von einer stärkeren Korrektur ausgelöst worden sein oder einfaches Rauschen ergeben. Es wird weder das Marktgefüge beachtet noch einen Relativität der einzelnen Oszillatordaten eingebaut.

Diese Möglichkeit scheitert sowohl in starken Trendmärkten (Abb. 1) und Seitwärtsphasen (Abb. 2) und ist daher nicht zu empfehlen!

In diesen beiden Abbildungen sind Gewinnphasen mit einem grünen Strich und Verlustphasen mit einem roten Strich gekennzeichnet. Zudem wurde das nichtssagende Rauschen, welches man natürlich erst im Nachhinein weiß, mit einem grünen Rechteck im Oszillatorfenster hervorgehoben. Anfängliche Euphorie verfliegt schnell bei diesen ernüchternden Bildern.

Abbildung 1 - starkes Rauschen im Momentum

Abbildung 2 - In Seitwärtsphasen versagt das Momentum voll

Es gibt jedoch eine Möglichkeit, das Momentum mit Trendfolge positiv zu nutzen. Dabei verzichtet man auf das Ausstiegssignal per Momentum-Oszillator und verlässt sich dabei auf die klassische Dow-Theorie. Diese besagt höheren Hochs folgen höheren Tiefs im Aufwärtstrend und umgekehrt.

Dies funktioniert jedoch auch nur im starken Trend!

Dazu ein Beispiel:

Momentum einw enig verbessert - Dank Dow-Theorie

Ein anderes Mal als Trendvorläufer:

Diese Art der Interpretation benötigt ebenfalls starke Einschränkungen. Grundlegend werden hier Divergenzen genutzt, um einen Einstieg oder Ausstieg zu finden. Dabei versagt diese Methode ebenfalls in starken Trendphasen, wie die klassische Kurs-Folge-Methode.

Bei der Trendvorläufer-Interpretation des Momentums wird nicht die Kreuzung der Nulllinie des Oszillators als Tradebasis genutzt, sondern die Extrema, welche von der Oszillatorlinie ausgebildet werden.

Im klassischen Sinne wird so bei neuen Peaks des Momentums von weiter steigenden bzw. fallenden Kursen ausgegangen. Dies hat jedoch einen großen Nachteil. In Aufwärtstrends zählen nur die Peaks über Null. In Abwärtstrends genau umgekehrt. Aber wie findet man dies heraus? Dazu später mehr.

Als Beispiel erst einmal die Divergenz-Abbildung (Abb. 3) und das Peaktrading (Abb. 4)

Abbildung 3 - Divergenztrading mit Momentum

Abbildung 4 - Peaktrading mit dem Momentum-Oszillator

Das Peaktrading funktioniert nur (!) bei starken Aufwärtstrends in höheren Perioden (4-Stunden-Chart, Tageschart der Höher). In der Abbildung wurden Die Einstiegslevel per Pfeil und horizontaler Linie eingezeichnet. Beachten Sie bitte, dass dies in Seitwärtsphasen nicht funktioniert! Da verfehlt das Momentum seine Wirkung.

Irrglaube beim Handel nach Momentum

Ein Trading mit einfachen Trendlinien im Oszillatorfenster des Momentums funktioniert langfristig NICHT!

Ein einfacher gleitender Durchschnitt auf die Momentum-Kennlinie zu legen und schnitte zu traden funktioniert langfristig NICHT!

Kreuzungen der Oszillator-Kennlinie mit der Nulllinie des Momentums zu traden funktioniert langfristig NICHT!

Divergenzen zu Traden funktioniert in starken Aufwärtstrends nur unzureichend.

Wie kann man den Handel mit dem Momentum verbessern?

Man muss die Daten, welche das Momentum ausspuckt, relativieren. Dies ist bei diesem Oszillator ganz wichtig. In einem starken Aufwärtstrend bedeutet ein abnehmendes, aber positives Momentum schließlich immer noch steigende Kurse. Im Abwärtstrend entgegengesetzt.

Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man kann einerseits per Trendlinien im Symbolchart arbeiten und das Momentum zur Unterstützung hinzu ziehen. Oder man richtet sich mit Hilfe der Bollinger-Bänder ein relatives Momentum-System ein.

Ersteres ist an Hand einer kleinen Abbildung schnell erklärt.

In Punkt A befindet sich ein wichtiger Tiefpunkt. Man erwartet weiter fallende Kurse und möchte Short einsteigen. Man zieht somit eine Trendlinie… Die blaue ist dabei die erste der beiden, welche gezogen wird. Diese Trendlinie wird bei Punkt B bereits verletzt und nach unten durchbrochen. Ein klassisches Shortsignal. Das Momentum zeigt jedoch noch kein neues Tief an. Es wird somit mit dem Einstieg gewartet. Weiter steigende Kurse unterstützen diesen Gedanken. Erst an Punkt C wird die neue Trendlinie mit starken Momentum-Abfall gebrochen und es kommt zum Verkaufssignal.

Ebenso das folgende Ausstiegssignal. Die erste Trendlinie wird bereits bei D gebrochen. Das Momentum lässt jedoch auf sich warten. Erst im Punkt E kommt es zu einem Bruch der neuen Trendline mit steigendem Momentum.

Bollinger + Momentum

Die zweite Möglichkeit, das Momentum zu relativieren, besteht in der Anwendung der Bollinger-Bänder. Dabei wird über das Momentum ein Bollinger-Band gelegt, welches  eine Fibonacci-Periode schneller ist, als das Momentum. So entsteht bei einem 21er Momentum ein 13er Bollinger-Band. (Artikel über Bollinger-Bänder bei Börsen-Uni)

Die Standardabweichung sollte bei 2 liegen und kann individuell angepasst werden.

Wichtig ist bei diesem System, dass die Bollinger-Bänder einen Vorlauf von mindestens 3 Perioden bekommen (im Minuten – 15 Minutenchart) langsamere Perioden benötigen entsprechenden Vorlauf. Im folgenden Beispiel haben die Bänder einen Vorlauf von 5 Kerzen.

Dieser Vorlauf ist nötig, um die relativen Hochs und Tiefs des Momentums besser zu verdeutlichen und gleichzeitig gesunde Korrektive Phasen aus dem Kurs heraus zu filtern.

Im Nachfolgenden Chart sieht man deutlich die rote Momentumlinie im lila Bollinger-Band.

Kaufkurse entstehen, wenn die Momentum-Linie, nachdem sie nach unten aus den Bollinger-Bändern lief, wieder in diese eintrat und dann über diese hinaus schießt. Der innere Bereich der Bollinger-Bänder ist somit neutrale Zone und unterstreicht den vorherrschenden Trend.

Die entferntere Bollinger-Linie (im Abwärtstrend die obere Linie, im Aufwärtstrend die untere Linie) kann dabei auch als Nulllinie des Momentums angesehen werden. Das heißt, bei stark steigenden Kursen schiebt sich die Nulllinie ebenso weit nach oben. In einem schwankungsbreiten Markt passt sich die Nulllinie ebenso an.

Folgender Chart zeigt ein Einstiegssignal für Longpositionen, da die Momentum-Linie nach oben aus dem Bollinger-Band heraus bricht. Dies ist mit A gekennzeichnet. Danach passen sich die Bollinger-Bänder weiter dem Kursgeschehen an und man ist während der gesamten Aufwärtsphase dabei.

Bollinger + Momentum - So wird ein Schuh daraus

Ein weiteres Beispiel, dass diesen Tradeansatz unterstreicht, ist jenes. Dabei wurde derselbe Kursausschnitt gewählt. Jedoch wurde das Momentum auf 34 erhöht und die Bollinger-Bänder dementsprechend auf 21 eingestellt. (eine Fibonacci-Periode schneller)

Der Kursausschnitt wurde ein wenig nach rechts verschoben, da das Ausstiegssignal trotz fallendem Momentum nicht kommt! Die Kurse steigen weiter…

Dank Fibonacci-Verhältnis erfolgreich - Bollinger + Momentum

Fazit zum Momentum-Oszillator

Man sollte diesem Oszillator keine übergewichtete Bedeutung zukommen lassen. Auch einzeln Betrachtet erfüllt das Momentum nicht seinen Zweck und muss stark angepasst werden, damit entsprechende Handelssignal generiert werden können. Um mit diesem Oszillator durchgehend positiv am Markt agieren zu können, benötigen Sie relativierende Methoden, wie Bollinger-Bänder und desweiteren ein Gespür für die richtigen Periodeneinstellungen der Instrumente.

Das Momentum ist für Tradingeinsteiger NICHT zu empfehlen!

(c) Artikelbild: Rainer Sturm – pixelio.de

Das Momentum – Ein Oszillator mit sehr vielen Schwachstellen
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