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Warum wir uns meist selbst im Weg stehen! Psychologie

Ich habe einen befreundeten Spekulanten, welcher es bereits zu sehr viel Geld mit dem Börsenhandel geschafft hat. Vor geraumer Zeit führten wir ein Gespräches über die beste Methode. Er sagte mir Anfangs immer, dass er mit dem ultimativen Indikator sehr erfolgreich sei. Dies änderte sich eines Tages schlagartig. Als ich ihn wieder auf den ultimativen Indikator zu diesem Zeitpunkt ansprach, gab er zu, das ihn dieser ein Vermögen gekostet hatte und er nahe am Bankrott vorbei geschrammt sei. Dies war der ausschlaggebende Punkt, mich näher mit dieser Materie der Börsenpsychologie zu befassen. Dabei legte ich ich besonderes Merkmal auf die Individual-Börsenpsychologie. Dabei hinterfrage ich nicht, was den Markt beeinflusst und welche Gründe ihn zum drehen oder nicht drehen bringen. Mein Augenmerk liegt auf dem einzelnen Marktteilnehmer.Welche Probleme – sowie deren Lösungen sich ergeben, wenn man sich einmal im Markt befindet. Dies unterscheidet auch meine Beiträge von den übrigen Lektionen der Börsen-Uni. Diese sind eher theoretischer Natur. In den nachfolgenden Beiträgen der Untersektion Börsenpsychologie lernen sie, warum man zu früh oder viel zu spät eine Position verlässt. Warum man Anfangs immer Gewinn macht, später sich jedoch der Verlust einstellt und vieles mehr.


Ich werde auf Grund des komplexen Themas viele Lektionen unter Zuhilfenahme des imaginären Fridolin erklären.

Lektion 1: Warum Tradingtagebücher nix für kleine Mädchen sind.

Nachfolgend finden Sie einen Beitrag über die Gründe, warum ein Großteil der Kleinanleger nach anfänglichen Gewinnen in die tief rote Zone rutschen.

Fridolin ist ein Mitte Zwanzig und studiert Mathematik an der ortsansässigen Universität. Leider hat er wenig Geld und jobbt daher Abends als Aushilfe in einem kleinen Restaurant. Während einer Exkursion lernt er Bernhard kennen. Dieser fährt einen dicken Mercedes und ist kaum älter als er selbst. Sie kommen ins Gespräch und es stellt sich heraus, das er seit vielen Jahren an der Börse spekuliert. Fridolin war nach dieser Unterhaltung Feuer und Flamme. Ein Typ, so alt wie er selbst, hat viel Geld. Und das erreichte er mit Aktienhandel. Fridolins Gehirn begann auf Hochtouren zu arbeiten, wie viel Geld er bis wann erreichen könne. Seine Rechnung sah befolgt aus: Meine Vorlesungen liegen alle um die Vormittagszeit und Abendzeit, das heißt, ich kann von 11.oo Uhr bis 16.oo Uhr aktiv handeln. 5 Tage die Woche! Bei 5% je Woche habe ich binnen eines Jahres (1,05 hoch 52) 1200 Prozent Gewinn. Und nach drei Jahren sind das bei 1000 € Startkapital ganze 38.000 € auf meinem Konto !!!! Getrieben von Gier, begann er sich intensiv mit dem Thema Aktienhandel zu beschäftigen. Er kaufte sich mehrere Bücher, stöberte im Internet nach Analyse und eröffnete ein Konto für den täglichen Handel bei einem Internet-Broker. Er bereitete sich auf seinen ersten Trade sehr gewissenhaft vor und begann an den ersten Tagen mit einem hohen Gewinn in die Materie einzusteigen. Jedoch begann sein Depotkonto nach einigen Wochen kontinuierlich zu stagnieren, später gar zu schrumpfen. Fridolin rechtfertigte sich selbst gegenüber die Verluste mit seinem bisherigen Gewinn. Ich habe bis jetzt 10 % Gewinn gemacht, da sind Rücksetzer ganz normal , sagte er sich und befasste sich nicht näher mit seinen Verlusten. Dies hatte zur Folge, dass er eines Tages nur noch ein 15tel seines Anfangskapital hatte.

Wie konnte das passieren?

Anfangs befasste sich Fridolin mit jedem seiner Trades, die er eingehen will, längere Zeit. Er zeichnete alle mehr oder minderwichtigen Trendlinien ein, beachtete Indikatordivergenzen und versuchte nur mit dem Trend zu handeln. Seine Stopp-Politik war konserativ und die Positionsgrößen angemessen. Auf Grund all dieser Punkte kam es dazu, dass er zwar wenige Trades eingehen konnte, diese jedoch entweder moderat ausgestoppt wurden, größtenteils jedoch im positivum Lagen. Leider kamen nun zwei menschliche Eigenschaften zum tragen.

Erstens:

Der Mensch neigt dazu, bei sich einstellendem Erfolg, Sicherheiten und lange Vorbereitungen für alle Dinge des Lebens aufzugeben. Genauso, wir der besser werdende Breitensportler, ab einem bestimmten Punkt auf seine Pulsfrequenz während des Trainings pfeift und später merkt, dass das seinem Erfolg nicht förderlich war – genauso werfen Trading-Amateure ihre ganzen Vorsätze und guten Ansätze über Bord. Es wird weniger hinterfragt, ob die Position Erfolg verspricht, bis nur noch aus dem Bauch heraus entschieden wird und die Entscheidung innerlich damit gerechtfertigt wird, dass ja das Doji an dieser Stelle ein Fortsetzungssignal ist. Ein scheitern ist ab dieser Trading-Einstellung vorprogrammiert – was zu zweitens führt.

Zweitens:

Wir realisieren Verluste nur sehr schwer. Unterbewusst leugnen wir sehr schnell unser eigenes Unvermögen und es kommt zu einem Effekt, dass wir auf Teufel-komm-raus an einer Wende unserer Position festhalten wollen. Da wir uns eingestehen müssten, Mist gebaut zu haben – immerhin haben wir so gut wie jede Einstiegsregel missachtet – sucht der Mensch nun nach den abenteuerlichsten Gründen, warum der Kurs doch in die gewünschte Richtung gehen soll.

Drittens:

Da irgendwann doch die Positionsschließung ansteht, da einfach zu viel Kapital vernichtet wurde und wir uns unseren kleinen Fehler doch eingestehen mussten, sucht der Mensch nun nach Lösungen. Voller Elan sind wir nun wieder in einem Zustand, der dem Anfang ähnlich ist. Der einzige Unterschied ist, das wir uns nun einreden, die vorhergehende Methode hat versagt und wir müssten eine ganz neue Methode der Kursanalytik erfinden, um endlich erfolgreich zu sein. Dies klappt jedoch meist eben sowenig, wie das pure aus dem Bauch handeln. Es folgt damit unausweichlich der weitere Verlust und es kommt zum Vierten Punkt der Verlustkette.

Viertens:

Der Mensch neigt dazu, sich anzupassen, anfängliche Extrema werden so in den Erfahrungsschatz aufgenommen und beim nächsten Auftreten als weniger aufregend eingestuft. Dies hat den Sinn, dass wir uns, bedingt durch unsere Vorzeit, an Schmerzen gewöhnen konnten, oder uns Klimaänderungen besser anpassen konnten. Auch die Angst vor wilden Tieren konnte durch diesen Effekt besser kontrolliert werden. Im Aktienhandel nutzt uns diese Körpereigenschaft recht wenig. Es kommt bei vielen Händlern einmal der Tag, an dem sie einen extrem hohen Verlust einfahren. Sei es auf Grund falscher Positionierung, oder ein gerechtfertigter Rücksetzer nach extremen Kursanstiegen. In beiden Fällen brennt sich dieser hohe Verlust in unsere Erinnerung ein und wir vergleichen von da an all unsere Verluste mit diesem Extremwert. Folgen nun Zeitnah wiederum Gewinnen und wieder Verluste mit einem so hohen Terminus, kümmern wir uns von dort an nicht mehr um die normalen Werte, sondern nur um neue statistisch Ausreißer. So holen wir uns den schleichenden Verlust ins Haus. Ein Beispiel: Bei mehreren Extrema um die 500 € Verlust, im selben Zeitfenster durch Gewinnen um die 400 – 500 € ausgeglichen, stumpfen uns dahingehend ab. Wir hinterfragen nun kleiner Verluste / Gewinnen nicht mehr. Es kommt nun mehrere Tage zu Gewinnen von ~ 40 €/Tag und Verlusten von ~70€/Tag. Das Problem ist nun ersichtlich. Bei 10 solcher Perioden sind wir bei einem Verlust von 300€ – Bei einem 2000€ Depot schon 15%!!!

Wie kann man dem gegensteuern? Wie vermeide ich Nachlässigkeit?

Erstellen Sie sich eine Übersicht über alle Trades, die sie Tätigen werden. Führen Sie darin folgende Dinge auf:

Bei welchem Wert wollen Sie einsteigen.

Bei welchem Wert liegt ihr anfänglicher Stopp-Loss.

Wie hoch ist die anfängliche Minimalgewinnerwartung?

Eine Abbildung ihrer Analyse zum Startzeitpunkt.

Benutzen Sie dafür am besten elektronische Tabellenkalkulationsprogramme wie Excel oder Onlinedienste, um die nötigen Daten zu erfassen. Es emfiehlt sich auch immer die aktuellen Kurse daneben abzubilden, denn dann sehen Sie sofort, ob sich die aktuelle Position noch lohnt. Und stellen Sie sich immer die eine Frage. Würde ich den vergangenen Trade auch jetzt noch eingehen? Sollte Ihre Antwort nein sein, empfiehlt sich vor dem Aus-Stoppen eine Positionsüberprüfung.

Warum wir uns meist selbst im Weg stehen!
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Recent Comments

  1. Martha

    Der Artikel ist sehr gut. Man kann ihn vor allem auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Denn die Psychologie ist auf eine Art universal einsetzbar, aber individuell zuschneidbar. Danke für die Tipps. Und hoffentlich werde ich bald weiterhin so etwas lesen können.

    Liebe Grüße.

  2. fxtrader

    Ich musste auch die Erfahrung machen das man am Anfang denkt das der Börsenhandel einen zu schnellen Reichtum verhilft, doch die realität sieht ganz anders aus. Erst wenn man begreift was man falsch gemacht hat bei seinen trades kann man die Fehler ändern. Der Artikel ist sehr gut geschrieben und hat mir viele Hilfreiche Tipps geliefert um mein Handel an den Märkten zu verbessern.

    Viele Grüße

    Jan

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